Mai ist der Monat der Hauptversammlungen.

Nachdem in den ersten Monaten des Jahres die Jahresabschlüsse des vorherigen Jahres geprüft und veröffentlicht wurden, ist es nun für große Konzerne an der Zeit, sich den eigenen Aktionären zu stellen. Diese warten jetzt nicht nur auf ihre Dividende, sondern auch auf die Gelegenheit Lob bzw. Kritik auszusprechen.

Bei der Hauptversammlung eines meiner Kunden waren wir dieses Jahr 6 Dolmetscher. Drei von uns dolmetschten ins Italienische für ein Aufsichtsratsmitglied und die anderen ins Englische für zwei Mitglieder des Vorstandes. HV-Saal

Eine solche Veranstaltung hat einen festgeschriebenen Ablauf:

Die Stimmung ist feierlich, Fotografen wie Journalisten sind im Saal. Der Aufsichtsratvorsitzende eröffnet die Hauptversammlung, stellt die Anzahl der stimmberechtigten Aktien fest, die auf der Versammlung vertreten sind, und geht die Tagesordnung durch. Der zuständige Finanz-Vorstand (CFO) stellt den Geschäftsverlauf des Konzerns im abgelaufenen Geschäftsjahr sowie im ersten Quartal vor. Es folgt das Herzstück der Veranstaltung: die Rede des Vorstandvorsitzenden, die „live“ im Internet übertragen wird.

Draußen in der Lobby spielt sich inzwischen ein amüsantes aber nicht weniger rituelles Nebenstück ab. Eine Schar von Rentnern, die kein großes Interesse für die Worte der Redner zeigt, macht sich über alles Essbare her – um diese Uhrzeit handelt es sich dabei allerdings lediglich um Bretzel und Rosinenschnecken –  und läuft mit überfüllten Tellern herum,  als ob es kein Morgen gäbe.

Es wird gemunkelt, dass es sich um Menschen handelt, die ein paar wenige Aktien von verschiedenen Konzernen besitzen und zwar mit dem einzigen Ziel jedes Jahr wieder „dabei“ zu sein.

Im Hauptsaal hat man inzwischen die Diskussion eröffnet, d.h. die Aktionäre dürfen Fragen stellen, auf die der Vorstand – mit Unterstützung eines Backoffice – kurz danach antwortet.

Wenn alles seinen Gang geht, ist die Veranstaltung für Außenstehende nicht unbedingt sehr spannend.

Auf die Sprecher der Aktionärsvereinigungen folgt der immer anwesende Bund der Deutschen Juristinnen, der sich regelmäßig nach dem Frauenanteil im Unternehmen erkundigt.

Abwechselungsreicher für uns Dolmetscher ist, wenn unvorhersehbare Dinge passieren, wenn sich z.B. an Meinungsverschiedenheiten kontroverse Diskussionen entzünden. Ist das der Fall, kann sich die Hauptversammlung allerdings bis spät am Abend hinziehen. Das ist auch der Grund warum wir Dolmetscher bei einer solchen Veranstaltung immer zu dritt in der Dolmetschkabine sitzen.

Vor zwei Jahren jedoch hatten wir mehr Abwechselung als wir uns gewünscht hätten:

Ein Redner ging ans Mikrofon, um eine sehr leidenschaftliche und kritische Rede zu halten, die er mit der Aussage beendete, jetzt werde er den ganzen Vorstand erschießen. Zum Glück hatte er keine Waffen dabei und nachdem der vermutlich psychisch kranke Mann vom Sicherheitsdienst nach Draußen befördert worden war, konnte die Hauptversammlung unbeschadet fortgesetzt werden.

Dieses Jahr dagegen ging alles seinen gewohnten Gang. Auf eine nicht allzu lange Phase der Diskussion folgten die vorgesehenen Abstimmungen. Kurz vor 13:00 Uhr war die Hauptversammlung bereits zu Ende.

So bekamen wir mit, wie einige der oben erwähnten Micro-Aktionäre – wahrscheinlich enttäuscht wegen des schnellen Endes – diverse Würstchen in den Hosen- und in die Manteltaschen verschwinden ließen.

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