Was muss ein Redner beachten, wenn seine Rede auf einem Meeting von einem Dolmetscher simultan übersetzt wird?

Gestützt auf unsere jahrelange Erfahrung als Dolmetscher auf internationalen Veranstaltungen können wir Ihnen hierzu ein paar Tipps geben.  Dolmetscher

Stellen Sie den Dolmetschern ein paar Tage – idealerweise eine Woche – vorher Ihre Unterlagen zur Verfügung.

Es muss nicht unbedingt die fertige Rede sein. Es ist aber hilfreich, wenn die Dolmetscher wissen, worüber Sie reden werden, damit sie Informationen zum Thema einholen und Fachvokabular vorbereiten können.

Dolmetscher sind nämlich keine Übersetzungsmaschinen, die über alles Bescheid wissen. Sie müssen vielmehr die Gelegenheit haben, sich im Vorfeld einer Veranstaltung in ein Thema einzulesen.

Vermeiden Sie auf jeden Fall Ihre Rede vorher schriftlich zu formulieren und dann abzulesen!

Das erleben Dolmetscher leider besonders häufig, und ich kann Ihnen versichern: Das ist mit das Schlimmste, was Sie Ihren Zuhörern antun können…

Ein gesprochener Text unterscheidet sich nämlich grundlegend von einem über Tage ’durchkomponierten‘ mit eleganten, aber manchmal komplizierten Sätzen gespickten schriftlichen Text. Beim Verfassen einer schriftlichen Rede neigt man auch oft dazu, zu viele Inhalte hinein zu packen.

Eine solche Rede, die womöglich auf Grund von Zeitmangel und/oder Lampenfieber in einem schnellen Tempo abgelesen wird, ist nicht nur ein Albtraum für Dolmetscher. Sie rauscht auch an den Zuhörern vorbei, die in einem solchen Fall schnell abschalten.

Fazit: Sie sollten unbedingt frei sprechen und keinen Text ablesen. Sie sollten die Sachverhalte klar strukturieren und einfach darstellen oder Ihre ganze Arbeit läuft Gefahr zu verpuffen ohne bei den Zuhörern Spuren zu hinterlassen!

Verwenden Sie so wenig Abkürzungen wie möglich.

Wenn Sie welche verwenden, erklären Sie sie unbedingt, damit jeder im Saal weiß, was damit gemeint ist – nicht zuletzt die Dolmetscher. Sind es geläufige, aber fachspezifischen Abkürzungen, helfen Sie uns Dolmetschern und damit denen, die ihre Rede verstehen sollen sehr, wenn sie uns diese vorher mitteilen (s. 1. Punkt)

Aus dem Verband der Konferenzdolmetscher (VKD) kann sonst leicht der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands oder der Verband der Köche Deutschlands werden!

Vorsicht bei vielen Zahlen.

Wenn Sie Zahlen vorstellen müssen, sollten diese auch auf einer Folie bzw. einem Chart zu lesen sein.

Ohne eine visuelle Unterstützen wird der Zuhörer schlecht eine „Veränderung um achtundzwanzigkommadrei Prozent von einermilionfünfhundertvierunddreißigtauseneinhunderneunundfünfzig zu einermilionneunhundertachtundsechzigtausenddreihundertfünfundzwanzigkommaneunund­neunzig“ nachvollziehen können…

Darüber hinaus haben die Dolmetscher hier mit einer Besonderheit der Deutschen Sprache zu kämpfen: die „Zehner“ kommen im Deutschen an anderer Stelle als in vielen anderen Sprachen: „dreihundert- fünfundzwanzig-komma-neunundneunzig“ wird zu „treehundred-twentyfive-pointtwentynine“. Dolmetscher und Publikum werden Ihnen daher sehr dankbar sein, wenn Sie komplexe Zahlen gleichzeitig an die Wand „beamen“.

Sprechen Sie nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam oder mit längeren Pausen mitten im Satz.

Typisch für die deutsche Sprache ist nämlich die Satzstellung mit dem Verb am Ende. Solange das Verb nicht ausgesprochen wurde, kann der Dolmetscher den Satz nicht verstehen – er muss auf das Verb warten, bevor er korrekt übersetzen kann.  D.h., auch wenn Sie zu langsam reden, stockt die Übersetzung und die nicht-deutschen Zuhörer können Ihnen nicht mehr folgen.

Obwohl Sie Ihre Rede natürlich mit lustigen Bemerkungen oder Witzen auflockern sollten, vermeiden Sie dabei unbedingt sprachbezogene Wortspiele, da sie meistens nicht in eine andere Fremdsprache übertragen werden können.

Der Chinese, der vom Bäcker mit zwei Blondinen unter dem Arm zurück kommt, weil er zwei „Locken Blödchen“ – statt „zwei Roggenbrötchen“ – bestellt hat, ist zwar ein Witz, über den Viele lachen können. In einer mehrsprachigen Veranstaltung ist er aber unbrauchbar, da nicht zu übersetzen!

Und hier noch eine letzte Bitte:

Schauen Sie in regelmäßigen Abständen nicht nur Ihre Zuhörer, sondern auch die Dolmetscher an.

So können Sie feststellen, ob das Publikum Ihnen aufmerksam folgt, oder gelangweilt ist.

Und ein gelegentlicher Blick in die Dolmetschkabinen ist auch nicht verkehrt: Vielleicht versuchen die Dolmetscher Ihnen gerade etwas mitzuteilen: Sie sind z.B. zu schnell oder Sie haben vergessen, Ihr Mikro einzuschalten. Und sollte von dort kein Lebenszeichen mehr zu vernehmen sein, heißt das womöglich, dass es höchste Zeit für eine Pause ist!

Dies waren aus unserer Sicht einige wichtige Ratschläge für eine gelungene Rede bei einer mehrsprachigen Veranstaltung.

Wenn Sie Fragen haben, kontaktieren Sie uns: wir beraten Sie gerne!

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